Montag, 23. April 2012

[Zitate] Nach dem Sommer - Maggie Stiefvater

Hier sind die schönsten Buchstellen aus Nach dem Sommer.

Aber Achtung, gewisse Zitate können Spoiler enthalten!



»Manchmal wünschte ich mir, ich hätte mich verwandelt.« Er schloss die Augen. Die andere Seite des Bettes schien plötzlich meilenweit entfernt. »Ja, manchmal wünschte ich mir das auch.«...  S. 89

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich hier und nirgendwo sonst. Ich öffnete die Augen und es gab nur Grace und mich - nichts als Grace und mich. Sie presste die Lippen aufeinander, als könnte sie den Kuss in sich aufbewahren, und ich nahm den Augenblick in mir auf, als wäre er so zerbrechlich wie ein Vogel in meinen Händen...  S. 101

Ich glaubte nicht, dass ich zu ihr in diese Welt gehörte, ich, ein Junge, der zwischen zwei Leben festhing und die Gefahren der Wölfe immer mit sich trug. Doch als sie meinen Namen rief und wartete, dass ich ihr folgte, da wusste ich, dass ich alles tun würde, um bei ihr bleiben zu dürfen...  S. 130


»Und, Junge, was machst du hier in Grace' Auto?« Gegen meinen Willen musste ich lächeln. [...] »Genau Junge«, sagte ich [...] »Was machst du in meinem Auto?« »Ich bin im Interesse der Ästhetik hier«, entgegnete Sam...  S. 179

»Wie, du findest nicht, dass ich Vergleich zu dir ein zartes Pflänzchen bin?« Abermals lachte ich auf. »Wie würdest du mich denn beschreiben?«, drängte er. [...] »Empfindsam«, probierte ich es. Sam übersetzte: »Heulsuse.« »Kreativ.« »Total emo.« »Tiefsinnig.« »Feng-Shui«...  S. 227

»Geh nicht, Sam«, bat ich sinnloserweise. Sam nahm mein Gesicht zwischen beide Hände und sah mich an. Seine Augen waren gelb, traurig, wölfisch, mein. »Die bleiben, wie sie sind. Denk daran, wenn du mich ansiehst. Denk daran, dass ich es bin. Bitte.« Bitte geh nicht. Sam lies mich los und breitete die Arme aus, krallte sich mit einer Hand am Armaturenbrett fest, mit der anderen an seinem Sitz. Er neigte den Kopf und ich sah seine Schultern pulsieren und beben, sah das stille Leid der Verwandlung bis hin zu dem leisen furchtbaren Schrei, als er sich verlor...  S. 368

Ich beobachtete sie. Ich war wie ein Geist im Wald, leise, kalt, schweigend. Ich war die Verkörperung des  Winters, der eisige Wind als lebendiges Wesen. Ich stand am Waldrand, dort, wo sich das Unterholz langsam lichtete, und kostete die Luft: Zu dieser Jahreszeit waren die meisten Gerüche tot. Der scharfe Duft der Nadelbäume, der Moschusgeruch der Wölfe, der süsse Duft von ihr, sonst nichts. Ein paar Atemzüge lang stand sie in der Tür. Ihr Gesicht war den Bäumen zugewandt, aber ich war unsichtbar, gestaltlos, bloss ein Augenpaar im Wald. Die Windböen trugen ihren Duft zu mir, immer wieder, er erzählte mir in einer fremden Sprache von einem Leben in einem anderen Körper. Endlich, endlich trat sie auf die Veranda und hinterliess den ersten Fussabdruck im Schnee. Und ich war hier, so nah, und doch tausend Meilen von ihr entfernt...  S. 418

Sie war so still wie ich, vollkommen still. Ihre Unterlippe zuckte. Als sie blinzelte, zeichneten drei schimmernde Tränen eine feuchte Spur auf ihre Wangen. Sie hätte jedes einzelne Wunder vor sich bestaunen können: meine Füsse, meine Hände, meine Finger, die Form meiner Schultern unter der Jacke, meinen menschlichen Körper, doch sie sah mir nur in die Augen. Der Wind peitschte wieder durch die Bäume, doch er hatte keine Kraft, keine Macht über mich. Die Kälte biss mir in die Finger, doch es bliebe Finger. »Grace«, sagte ich, ganz leise. »Sag was.« »Sam«, flüsterte sie, und ich zog sie an mich...  S. 421



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